Dienstag, 4. Januar 2011

3.1.2011, 22:43 Uhr (Iguazú-Fälle / Rio de Janeiro):

To the east, to the east
The road beneath my feet.

Ich bin wieder zurück in Puerto de Iguazú, vorgestern Abend ist Verena zurück in die Heimat geflogen und mit ihr mein Laptop, was die Sache mit dem Blog nicht einfacher macht. Da es aber mittlerweile in so gut wie allen Hostels PC´s mit Internetanschluss gibt, besteht weiterhin die Möglichkeit, mich hier auszulassen. Gestern hat der vorletzte Teil meiner Reise begonnen, die mich voraussichtlich durch Paraguay, den Norden Argentiniens, Bolivien und Peru führen wird. Das Schöne dabei ist, dass nur feststeht, dass ich am 29. Januar in Juliaca am Titicacasee sein muss, der Rest bleibt 100% flexibel. Die Dezember-Reise als auch der Part im Februar waren bzw. sind relativ gut durchorganisiert, deshalb geniesse ich es jetzt, dorthin zu fahren, wo es mich hintreibt. Ich habe gestern morgen Heiner am Busbahnhof abgeholt und etwa zur gleichen Zeit kam auch Mara mit ihrer Familie hier an, die uns im Januar vielleicht für einige Zeit begleitet.

Anfang Dezember ging es also los, der zweite Teil meines Auslandssemesters begann für mich mit einer Busreise nach Buenos Aires, wo ich meine Freundin an einem sonnigen Sonntag am Flughafen abgeholt habe – mit fünf Stunden Verspätung! Schuld war aber nicht das Schneechaos, sondern ein technischer Defekt, sowohl in London, als auch in Sao Paulo, wo es eine Zwischenlandung gab. So verkürzte sich die Zeit in Buenos Aires um einen halben Tag, aber das passiert halt. Wir waren nur eine Nacht dort, hatten also nur wenig Zeit, zumal ich auch noch zum Arzt musste. Es gibt dort ein deutsches Hospital (Hospital Alemán), wo ein Deutscher super ohne Fremdsprachenkenntnisse zurecht kommt – solange er mit niemandem spricht! Denn ausgeschildert ist alles in deutsch, es gibt Informations- und Hinweistafeln in deutscher Sprache (unter anderem eine Tributtafel für die Bundesregierung, die vor etwa 40 Jahren den Bau mit einer “grosszügigen Spende” ermöglichte), aber niemand spricht sie! Egal, mir wurde trotzdem geholfen. Das war am zweiten Tag, den wir dann noch nutzten, um den Friedhof in Recoleta zu besuchen. Es war mir bisher immer ein Rätsel, wieso eine der Hauptattraktionen der Stadt ein Friedhof sein soll. Okay, ich wusste, dass Eva Perón dort begraben wurde, aber das konnte ja nicht der einzige Grund sein – und das war es auch nicht. Der Friedhof hat kein einziges herkömmliches Grab, sondern macht eher den Eindruck einer kleinen Geisterstadt, in der früher Zwerge gelebt haben. Es reiht sich ein Häuschen ans nächste, nicht sehr hoch und meistens einstöckig, was kein Wunder ist, denn die Bewohner sind ja nicht mehr imstande, die Horizontale zu verlassen. Die Särge sind in der Regel sichtbar, denn die Mausoleen haben zum Teil Glastüren und –fenster. Hier wurden und werden (natürlich) vorwiegend bekannte und reiche Persönlichkeiten beerdigt, ehemalige Präsidenten, Feldherren, Schauspieler… mich hat dieser Ort sehr beeindruckt, leider habe ich an diesem Tag meinen Fotoapparat vergessen, so dass ich hier nichts präsentieren kann. Aber wer interessiert und sicher im Umgang mit Google Pictures ist, der wird einen Weg finden, einen konkreteren Eindruck zu bekommen als meine Tote-Zwergenstadt-Beschreibung ;-).

Am Abend ging es dann schon weiter nach Córdoba, hier hatten wir ein wenig mehr Zeit. Vier Nächte, um Verena die Stadt zu zeigen, in der ich in den letzten Monaten gelebt habe. Wir waren in einem nahegelegenen Naturreservat wandern und waren unter einem Wasserfall schwimmen, es gab noch ein Abschiedsasado im Hostel und am letzten Tag waren wir zusammen mit Heiner, Daniela und Leo auf dem Konzert von La Vela Puerca (a prospos “auf dem Konzert”: wusstet ihr, dass Leute im Süden “ich gehe ans Konzert” sagen?). Rock! Laut! Endlich! Das Konzert fand in einem kleinen Stadion statt, was via Mobildach zur Halle umfunktioniert werden kann. Mit 30 Jahre alten Bussen aus Russland rumfahren, aber Stadion mit Cabriofunktion! So sind se, die Argentinier!

Wasserfall in einem Naturpark in der Nähe von Córdoba

beim Abschiedsasado im Hostel

Nach grossem Abschied ging es dann auf Mammutbustour nach Iguazú. Circa 21 Stunden ist man unterwegs, aber man weiss es ja vorher und die Zeit vergeht sowieso. Auf der Fahrt haben wir ein wirklich eindrucksvolles Gewitter aus der Ferne beobachten können, bestimmt eine Stunde lang, mit Blitzen, die die Nacht zum Tag machten. Wir waren anderthalb Tage im Nationalpark, der diese gigantischen Wasserfälle beheimatet. Es ist schwierig zu sagen, welche die grössten der Welt sind. Die höchsten, breitesten, die mit den grössten Wassermassen? Jedenfalls gehören die Iguazú-Fälle in eine Kategorie mit den Niagarafällen und den Victoriafällen, wobei jeder dieser drei wahrscheinlich den Titel für sich beansprucht. Wie dem auch sei, diese hier sind wunderbar! Was ein grandioses Naturschauspiel in genauso grandioser Umgebung. Die ganze Gegend ist in sattem Grün gemalt, es gibt insgesamt über 200 Wasserfälle, teilweise fernab der ganz grossen mitten im Dschungel. Es gibt mehrere verschiedene Wanderwege, teilweise oberhalb und teilweise unterhalb der Fälle, von woaus man sehr nah rankommt. Es gibt zahllose Schmetterlinge und Vögel sowie Geckos und Nasenbären. Leider nicht zu Gesicht bekommen haben wir Affen und Riesentukane. Auch gibt es in der Gegend noch einen kleinen Bestand an Jaguaren.
All das betrifft die argentinische Seite. Die Wasserfälle sind jedoch auch von der brasilianschen Seite aus zu besichtigen. Brasilien hat aber, was das betrifft, deutlich weniger zu bieten. Man fährt mit dem Bus anstatt wie in Argentinien mit einem kleinen Zug durch den Park, man läuft nur auf befestigtem Untergrund am Ufer entlang und nach zwei bis drei Stunden hat man alles gesehen. Meiner Meinung nach ist das hier locker verzichtbar, Argentinien hatte von vornherein den besseren Zugang zu diesem Naturspektakel und hat seinen Park auch noch mit wesentlich mehr Charme umgesetzt. Keine Frage, am Ende des Trips wird das hier weit oben auf der Liste der Highlights stehen!


Dreiländereck: vorne Argentinien, links Paraguay, rechts Brasilien.

Nasenbär im Iguazú-Nationalpark

Nasenbärfamilie bei den Wasserfällen


Gigantische Wasserfälle

Bei den Wasserfällen sind auch einige Tiere zuhause

Blick vom Upper Circuit, oberhalb der Fälle

Regenbögen bilden sich beinahe überall

... leider haben wir keine Papageien und Riesentukane gesehen, die hier auch heimisch sind

Ein durchsichtiger Schmetterling

Die Fälle von der brasilianischen Seite aus

Nach drei Nächten ging es dann weiter mit dem Flugzeug nach Rio de Janeiro. Dort wurde ich direkt am ersten Tag krank und hatte mit seltsamen Magenkrämpfen und Schüttelfrost zu kämpfen, Rio viel somit fast komplett ins Wasser, der Magen hat sich endgültig erst nach knapp zwei Wochen wieder beruhigt. Jedoch haben wir es geschafft, uns mit einer Bekannten aus Córdoba zu treffen, die aus Rio kommt und gerade auf Heimaturlaub ist. Wir waren mit ihr in Santa Teresa, einem kleinen und netten Viertel. Wir sind Bus gefahren, Taxi gefahren, Strassenbahn gefahren und haben in einem Restaurant gegessen und sie bestand darauf, alles zu bezahlen! In Rio waren wir schliesslich ihre Gäste! Unglaublich. Überhaupt, auch hier sind die Menschen meist unglaublich freundlich und hilfsbereit, steht man ratlos am Strassenrand, fragt garantiert jemand nach, was wir suchen oder ob wir Hilfe benötigen. Man sagt sich so oft: “Das in Deutschland – gibt´s nicht!”

Nächste Station in Brasilien war die Ilha Grande, eine sehr naturbelassene Insel zwei Stunden westlich von Rio. Keine Autos, keine Strassen, nur ein Ort, alles sehr urig. Die ganze Insel ist hügelig und besteht aus Resten atlantischen Regenwaldes, per Fuss nur schwer zugänglich, deshalb ist das Hauptverkehrsmittel das Boot.
In unserem Hostel gab es ein paar Tage zuvor leider eine kleine Flutkatastrophe, die das ganze Erdgeschoss knietief unter Wasser setzte. Nachdem das wieder weg war, blieb den Leuten noch etwa 15 Zentimeter Sand im Haus stehen! Als wir ankamen, war es noch sehr chaotisch, einige Schlafzimmer standen noch unter Wasser, das Hauptgebäude sah aber schon wieder manierlich aus.

Die Zeit dort haben wir natürlich genutzt, am Strand zu liegen, zu schwimmen, zig mal durch das schnuckelige Dorf zu laufen und uns über die Preise hier zu beschweren. Brasilien ist, im Vergleich zu Argentinien, unglaublich teuer. Für vieles zahlt man das doppelte, manchmal ist es schwierig, etwas zu finden, was dort günstiger ist als in Deutschland. Frische Sachen sind es meist, aber Getränke, Konserven, Süssigkeiten und der Preisniveauindikator schlechthin, der BigMäc, sind um einiges teurer. Taxi- und Busfahrten kosten das doppelte im Gegensatz zu Argentinien. Wir waren jetzt nur in einem Bundesstaat unterwegs und haben einen kleinen Ausschnitt dieses riesigen Landes gesehen, somit kann es sein, dass es an anderen Stellen ganz anders aussieht, aber das hat uns natürlich wenig interessiert.


Ilha Grande (Nordseite)

Nachdem wir die Insel wieder verlassen hatten, sind wir für eine ganze Woche nach Búzios gefahren und haben dort Weihnachten verbracht. Búzios ist ein sehr gut ausgebauter Urlaubsort, der aber seinen Dorfcharme behalten hat. 13.000 Betten stehen den Touristen zur Verfügung, keins davon jedoch in einer “Bettenburg”, es gibt nämlich keine Gebäude mit mehr als zwei Stöcken. 

Das Zentrum ist sehr schön und sehr sauber, mal so gar nicht südamerikanisch! Die Auswahl an Restaurants ist der Wahnsinn und es gibt eine sehr schöne Promenade. Wir haben direkt im Zentrum in einem Hostel gewohnt, dass vorne an der Haupteinkaufsstrasse (alles ruhig und gemütlich) und hinten am Strand lag- Meeresblick und –rauschen im Zimmer included. Für Weihnachten haben wir uns ein Zimmer in einer kleinen Pousada (Gästehaus mit meist nur einer Hand voll Zimmern) gegönnt. Eigentlich ein Doppelzimmer, am ersten Abend hatten wir aber direkt einen fetten Käfer zu Gast! Alarm beim Boss, er hat das Viech vertrieben, aber immer wieder betont, dass das normal sei. Aber ist es nicht auch normal, dass der gemeine Mitteleuropäer nicht gern mit dicken Käfern im Zimmer schläft? Am zweiten Tag hatten wir Ruhe, am dritten einen kleinen Gecko. Auch hier wieder im schlechten Englisch: “is normal”. Er hat ihn ein wenig genervt aus dem geschlossenen Fenster gescheucht. Klar, dass der kleine ganz schnell wieder drin war, wenn die Fenster einen circa ein Zentimeter dicken Schlitz haben, der nicht zuzubekommen war. Wir haben ihn dann aber nicht mehr gesehen und uns darauf verlassen, dass er uns im Schlaf nicht auffrisst.

Búzios am Abend

Búzios am Tag

Die Kreuzfahrtschiffe im Hintergrund bringen ihre Gäste mit kleinen Booten an Land, weil Búzios keinen Anleger hat

Blick aus unserem Zimmer im "Nomad Seashore Hostel"

Nach einer langen Suche im Internet nach einer Unterkunft, die einigermassen bezahlbar war, ging es für die letzten zwei Tage wieder nach Rio. Über Silvester ist es wahrscheinlich die teuerste Stadt der Welt, ein Bett im Zehnerschlafsaal kostet meist zwischen 60 und 90 Euro pro Nacht und ist mindestens vier Nächte zu buchen, Hotels an den einschlägigen Stränden Copacabana, Ipanema und Leblon kosten mindestens 400 Euro pro Nacht und Zimmer, gerne auch mal vierstellig. Wir haben etwas für zwei Nächte und für unter 50 Euro pro Person und Nacht gefunden, verhältnismässig gut, fällt aber trotzdem definitiv in die Kategorie “once in a lifetime”. So viel Geld zahle ich nie mehr für ein Bett im Dorm! Dafür hatten wir zum Abschluss noch zwei echt tolle Tage, wir waren bei der Jesus-Statue mit fantastischem Blick über die ganze Stadt und haben kleine Kapuzineräffchen gesehen – mitten in Rio! Das “Rio Nature Hostel” liegt am Hang eines Berges zwischen Botafogo und Copacabana, dort tummeln sich ganz viele davon! Als wir ein Äffchen gesehen haben, haben wir schnell unsere Banane geholt und ihm ein Stückchen hingelegt. Der kleine hat Laute von sich gegeben und in wenigen Sekunden kamen aus allen Richtungen ganz viele von ihnen! Leider hatten wir nur eine Banane, so konnten wir nicht jeden glücklich machen. Wir haben ihnen noch Salat und Gurke hingelegt, nach Inspektion befanden sie es aber für nicht gut genug und liessen es liegen. Ganz schön verwöhnt!
Nicht nur mit den Affen hatten wir Glück, auch mit den Leuten im Hostel, mit denen wir Silvester an der Copacabana verbracht haben. Mit Carlos aus Kolumbien (jetzt Austin/Texas), Dylan aus Südafrika, Courteney und Ray aus San Diego und zwei Mädels aus Brasilien sind wir an Reveillon, so der Name für die Neujahrsnacht in Rio, losgezogen. So angenehme, symphatische und rücksichtsvolle Menschen trifft man echt selten! Schon nachmittags begann sich der Strand zu füllen, abends war er mitsamt Uferstrasse voller Menschen. Zwei Millionen feierten dort, bei angenehmen 28 Grad, mit Bühnen, Musik und vor der Kulisse von zahlreichen beleuchteten Kreuzfahrtschiffen. Trotz der vielen Menschen macht alles einen gemütlichen Charakter, man sitzt im Sand, macht Fotos, erzählt sich von seltsamen Neujahrsritualen und wartet auf die Sekunde und das anschliessende gigantische Feuerwerk. Weihnachten dachte ich noch: das ist es nicht, es fehlt etwas. Silvester könnte man meinetwegen bei uns auch bedenkenlos in den Sommer verlegen! Das hat gepasst!

An Neujahr haben wir uns von unseren Freunden und von den Affen und dann voneinander verabschiedet. Für mich gings weiter Richtung Westen, für Verena Richtung Nordosten. Beide Flieger haben ca. 30 Minuten Verspätung, so dass wir fast gleichzeitig gestartet sein dürften.


Kleiner Affe in den Bäumen vor unserem Hostel in Rio

Blick auf die Jesus-Statue (links) und auf eine der zahlreichen Favelas (rechts) ...

... und Blick von der Statue auf die Stadt.

Carlos und ich in den Roy-Black-Gedächtnisfarben

Feuerwerk an der Copacabana


Die Nacht habe ich dann am Flughafen verbracht, den Morgen am Busbahnhof auf der brasilianischen Seite von Iguazú. Am Flughafen bekam ich die Info, dass der erste Bus um sieben nach Argentinien aufbricht. Am Busbahnhof dann, dass der erste um halb neun fährt. Tatsächlich ging es um viertel nach neun los, juhu. Gott sei Dank wurde die Uhr dann in Argentinien eine Stunde zurückgestellt, sonst hätte ich Heiner nicht rechtzeitig am Bahnhof abholen können…

Happy New Year!

Samstag, 25. Dezember 2010

Frohes Fest / Hallo Florian

Ein frohes Fest wünsch ich euch! Einmal nicht da, schon gibt's weiße Weihnachten. Hier gibt es gerade bestenfalls ein bißchen Schmuck und hier und da einen auf portugiesisch übersetzten Weihnachtssong, von Weihnachtsstimmung ist nicht viel zu spüren. Auch wenn man es unter Palmen und im Meer gut aushalten kann: Zuhause ist es an Weihnachten doch am schönsten!




Leb dein Leben, lauf der Hoffnung entgegen
Liebe zeigt dir den Weg.

Am 13.12. kam mein Neffe Florian gesund und munter zur Welt! Zuhause sind alle glücklich, ich begnüge mich in den nächsten zehn Wochen noch mit der Vorfreude, ihn dann im März kennenzulernen :o).




Sonntag, 5. Dezember 2010

4.12.2010, 11:22 Uhr (Uruguay):

Vor vier Stunden hat der zweite Teil meines Aufenthaltes hier begonnen. Ich sitze im Bus nach Buenos Aires, um Verena morgen am Flughafen abzuholen. Somit ist die Zeit in Córdoba jetzt quasi vorbei, auch wenn wir nächste Woche nochmal vier Tage dort sein werden, aber das wird dann ja schon eher sowas wie Urlaub sein.
Kurz nach meinem letzten Eintrag bin ich nach Uruguay aufgebrochen, wo ich zusammen mit Mara und Vanessa etwa eine Woche unterwegs war. Die einfachste Möglichkeit, von Argentinien aus nach Uruguay zu kommen, ist von Buenos Aires mit dem Schiff über den Mündungstrichter des Río de la Plata zu fahren. Man kommt dann nach drei Stunden und etwa 50 Kilometern in Colonia, einem beschaulichen Küstenort, an. Für diesen haben wir uns ein paar Stunden Zeit genommen, bevor wir abends die Küste weiter nach Montevideo hochgefahren sind. Da wir erst abends um 11 hier ankamen und morgens schon früh wieder weiterfuhren, haben wir gar nichts von der Stadt sehen können. Auf dem Rückweg kommen wir jedoch nochmal hier vorbei und haben ein paar Stunden dafür eingeplant.

In den folgenden Tagen sind wir dann die Küste immer weiter hochgefahren, bis wir nur noch eine Stunde von der brasilianischen Grenze entfernt waren. In einer Woche schafft man es leider nicht, Küste und Inland zu besuchen, so beschränkten wir uns auf eine Sache. Nächste Station war Punta del Este, der Ferienort schlechthin in Uruguay. Versteh ich aber nicht. Ich fand die Stadt nicht sehr einladend und ziemlich kahl. Colonia war noch wunderbar grün. Gott sei Dank waren wir auch hier wieder nur über Tag und sind abends weitergefahren. Die beiden Highlights kamen dann auch in der zweiten Hälfte. Nach einer Nacht in einem etwas seltsamen Hostel mitten im Wald eines Ortes namens La Paloma, in dem wir die einzigen Gäste waren, machten wir uns auf den Weg nach Cabo Polonio, einem kleinen Ort hinter den Dünen, ohne Straßenanbindung. Hier kommt man nur mit großen Geländefahrzeugen hin, die das Dorf mittels einer Sandpiste mit der Straße verbinden. Das Dorf selbst hat somit auch keine geteerten Straßen und nur einfache, einstöckige Häuser. Die größte Attraktion hier ist aber die Robbenkolonie. Hier vor der Küste tummeln sich unzählige Robben im Wasser und auf kleinen, vorgelagerten Inseln, aber auch auf dem Festland, wie wir zu unserer großen Freude festgestellt haben. Wir kamen ganz nah an die Tiere ran, was schon eine tolle Sache war! Und immer wieder sah man sie im Meer auftauchen, sogar vom Leuchtturm aus.

Punta del Este - überdimensionale Hand, die aus dem Sand ragt

Punta del Este

Auf dem Weg nach Cabo Polonio

Cabo Polonio - das Wasser des Atlantiks ist hier um einiges klarer als bei uns

Cabo Polonio - Robbenkolonie

Mara und ich

ziemlich nah!

Robbenkolonie auf dem Festland

Blick vom Leuchtturm über Cabo Polonio

Zwei neue Freunde - haben sich eine schöne Kuhle gebuddelt und dort über uns gethront!

"Taxi" nach Cabo Polonio



 

Letzte Station war Punta del Diablo. Ein bißchen größer als Cabo Polonio, mit Straßenanbindung, aber auch keine richtigen Straßen, was den Dörfern wirklich ein ganz eigenes Flair vermittelt. Der Ort ist vor allem bei Surfern sehr beliebt, jedes Hostel hatte eine Auswahl an Brettern und im Meer tummelten sich auch schon einige. Leider hatten wir während der ganzen Woche kein Badewetter, es war immer um die 20°, wir hatten teilweise ziemlich kalte Nächte, aber dafür auch eigentlich durchgehend Sonnenschein. Das Hostel hier in Punta del Diablo war definitiv das Hostel der Woche, alles sehr schön und extrem nette Mitarbeiter. Mit weniger als 6 Euro war es dann auch noch das günstigste von allen, wow! Vanessa und Mara haben am Nachmittag einen Ausritt im Nationalpark und am Strand gemacht und ich habe die Zeit genutzt, ein bißchen einzukaufen und uns einen schönen bunten Salat zu zaubern. A prospos Nationalparks: Wir waren nur eine Woche hier, haben aber alle Nationalparks des Landes gesehen. Es sind ja auch nur zwei! ;) Cabo Polonio ist einer und eben hier in der Nähe von Punta del Diablo, den wir am zweiten Tag auch noch zu Fuß besichtigt haben, war aber nichts besonderes. Der Rückweg war dann ein ellenlanger Spaziergang am Strand. 

Die uruguayianische Flagge in einem der beiden Nationalparks

Am vorletzten Tag sind wir dann in einer Tour zurück nach Montevideo gefahren, wo wir am letzten Tag dann auch noch ein wenig Zeit für die Hauptstadt des Landes übrig hatten. Wir waren alle nicht so begeistert, wobei wir auch nicht so viel gesehen haben. Das Hafenviertel ist heruntergekommen und kein Vergleich zu dem von Buenos Aires. Einzig begeistert hat mich hier eine Markthalle, in der zahlreiche Lokale untergebracht waren, das hatte richtig Flair.

Die Mädels sind dann von Montevideo aus direkt mit dem Bus nach Córdoba gefahren, ich hatte keine Lust auf eine so lange Bustour und bin wieder mit dem Schiff nach Buenos Aires, wo ich mich am Tag darauf noch mit einer Bekannten, die ich im August in Córdoba kennengelernt habe, zum Essen verabredet habe.

In den letzten zwei Wochen in Córdoba haben wir noch ein paar wirklich nette Sachen gemacht, haben uns öfters mit ein paar Leuten getroffen, waren nochmal beim Asado im Baluch Hostel und ich habe mein erstes eigenes Asado gemacht! Den Leuten hat's geschmeckt und mir auch! Das deutsche Grillen verliert meines Erachtens wirklich haushoch gegen das argentinische. Leider kann man es nicht so einfach nachmachen in Deutschland, denn dort wird das Fleisch ganz anders geschnitten und man bekommt gar kein Costilla, Vacío und Matambre (so die gängigsten Arten) zu kaufen. Ich habe allerdings auch ein bißchen Schweinefilet gegrillt und es gab Nudelsalat, somit hatte das ganze auch eine deutsche Note!


Heiner und ich mit Yuta und Julia

Dienstag, 9. November 2010

9.11.2010, 19.58 Uhr:

„Long time no see, I’m doin’ fine, yeah, thank you.“

Letzten Freitag hatte ich meine letzte Prüfung und bin für’s erste durch mit der Uni. So ganz kann man sich aber noch nicht verabschieden, denn es gibt – natürlich – noch einige Dinge zu erledigen. Ich habe zum Beispiel immer noch kein Visum. Auch der fünfte Anlauf scheiterte daran, dass irgendwas mit der Technik nicht stimmte. Das Amt sagt: Die Uni ist schuld, die Uni sagt: Das Amt ist schuld. Das macht Spaß! Da mein Touristenvisum ausgelaufen ist und eigentlich geplant war, diese Woche ein paar Tage nach Uruguay zu fahren, habe ich mir eine Verlängerung für schmale 300 Pesos kaufen müssen. Dafür brauche ich jetzt wahrscheinlich kein Visum mehr. Ob ich jetzt wirklich nach Uruguay komme, steht aber wieder in den Sternen. Ihr seht, hier geht gerade alles drunter und drüber, Pläne werden geschmiedet, kurze Zeit später wieder verworfen, um alles im Endeffekt doch ganz anders zu machen. Es ist alles ein bißchen zu kompliziert zu erklären, deshalb lasse ichs. Dafür freue ich mich mit meiner lieben Freundin Fabsi über ihren Sohn, der vor zwei Wochen zur Welt gekommen ist. Der kleine Mann heißt Julian.

In den letzten Wochen habe ich mich hauptsächlich um die Uni und dem ganzen Drumherum gekümmert und habe viele Pläne für Dezember bis Februar geschmiedet. Dazu später mehr. Die ersten richtig heißen Tage liegen im Rücken, vorgestern ging es stramm Richtung 40°, die ersten Nächte hatten T-Shirt-Temperatur. Es ist Anfang November, das entspricht dem deutschen Mai. Im Januar und Februar gibt es hier sicherlich keinerlei Verschnaufpausen in Form von 20°-Tagen mehr. Ich glaube, dass alle merken, dass die Zeit in Córdoba langsam zuende geht – jedenfalls schaffen wir es öfters, mal was zu machen. Manchmal kochen wir mit ein paar Leuten oder ich hänge ein bißchen in Heiners Residencia ab. Vor etwa zwei Wochen haben wir mit den Leuten aus dem Hostel einen sehr schönen Ausflug nach Carlos Paz gemacht. Ein Freund von Luciana (siehe unten) hat dort eine hübsche Cabaña, eine Art Ferienresidenz (Carlos Paz ist sowieso ein Ferienort, hauptsächlich für die etwas reicheren Einwohner der großen Städte Argentiniens). Es waren glaube ich fast alle Leute mit, die an diesem Tag im Hostel waren, es war eine sehr nette angenehme Truppe und es war toll, mal wieder aus dem Lärm rauszukommen, um ein bißchen zu kickern, Tischtennis zu spielen und in der Hängematte zu liegen. Abends gabs ein wunderbares Asado und nachts haben sich ein paar Leute noch überwunden, trotz nicht ganz so hoher Temperaturen in den Pool zu springen. Das habe ich mir dann auch nicht nehmen lassen, obwohl mir vorher schon recht kalt war in kurzer Hose. Interessanter Effekt: Nach dem Schwimmen war es viel angenehmer an der frischen Luft.

Ein Großteil der Truppe

Juliana macht heia

gemütlich!

Sonja und Franco

Juliana pennt schon wieder. Artur auch.
Vor der Abreise (nachfolgende Fotos von Jose und Artur)

Australian Girls
Australian Girls ist nur halb richtig: Hana (links) hat srilankanische Wurzeln, ist in Abu Dhabi geboren, in Australien aufgewachsen, hat anderthalb Jahre in Berlin gelebt, aber wohnt eigentlich in London. Verrückt!

Franco, el asador

Jose (el columbiano) und ich im Pool

Luciana und ich

Chillen am Pool

Überhaupt, im Moment sind einige Leute schon über mehrere Wochen hier im Hostel. Sehr nett. Und es sind fast nie mehr als 10 – 15 Mann, also weder tote Hose noch 24/7 Remmidemmi. Und mit der neuen Klimaanlage lässt es sich sogar bei 40° gut aushalten, hehe.

Ich stehe kurz vor der Halbzeit hier, was heißt, dass ich bald unterwegs sein werde. Da gab und gibt es natürlich einiges zu organisieren und da mir das ja Spaß macht, nehme ich mir auch viel Zeit dafür. Ich werde im Dezember mit Verena in Buenos Aires starten, ihr dann ein paar Tage Córdoba zeigen, dann weiter zu den Iguazú-Fällen fahren und von da aus nach Rio de Janeiro. Dann bleiben wir 14 Tage dort im Bundesstaat, fahren auf die Ilha Grande und in ein paar Hafen- und Ferienörtchen. An Silvester wäre ich supergern zurück in Rio, weil das dort ein Megaevent sein muss. Alle Leute tragen weiße Klamotten und treffen sich an einem der berühmten Strände Rios, Copacabana, Ipanema, Leblon. Problem ist, dass es dort kaum Unterkünfte für nur eine Nacht gibt, da das komplette Gewerbe zu Silvester (wie auch zu Karneval) Pakete schnürt oder Mindestaufenthalte hat. Die Nacht im Hostel schlägt mal eben mit ca. 70 Euro zu buche – Rio ist zu Silvester und Karneval wahrscheinlich die teuerste Großstadt der Welt. Also, denkt dran, wenn ihr mal Bock auf Carnival in Rio habt, das ist ein seeehr teurer Spaß. Gut, dass ich am Rosenmontag wieder in Rees bin!

In Córdoba haben wir das Glück, dass meine lateinamerikanische Lieblingsband, dessen Namen ich hier schon ein- zweimal erwähnt habe, am 10. Dezember ein Konzert spielt. Das wird dann mein letzter Abend hier!

Am 1.1. abends hebt mein Flieger dann um 23.18 Uhr Richtung Foz de Iguacu ab. Das ist die günstigste Variante, wieder an die argentinische Grenze zu kommen. Ein internationaler Flug kostet leider viel, viel mehr, auch wenn es gar nicht viel weiter ist. Verena muss dann rein rechnerisch ganze zwei Minuten warten, bis es dann auch für sie Richtung Heimat geht, um 23.20 Uhr. Ist das nicht der Hammer? Unsere Flüge gehen quasi gleichzeitig, so dass niemand noch stundenlang am Flughafen rumgammeln muss.

Im Januar mache ich dann zusammen mit Heiner meinen Weg von Nordost- nach Nordwestargentinien (Iguazú – Resistencia – Salta, in etwa), dann weiter nach Chile und dann zum Titicacasee nach Peru. Die Pläne danach sind auch spannend, aber ich bewahre mir das mal für später auf. Zumal sich ja immer noch einige Dinge ändern können.

Wie der November jetzt verlaufen wird, steht in den Sternen. Die meiste Zeit werde ich sicher in Córdoba sein, ansonsten wird man sehen, was sich so ergibt.

Noch was aus der Konserve:

Ganz am Anfang habe ich schonmal vom Abschiedsgeschenk von Heiner und Julia erzählt. Mittlerweile habe ich das fotografiert und präsentiere hier stolz eine wunderbare Fotocollage mit allen Freunden drauf und ein Bild, das Heiner bei unser aller Lieblingskapelle, der Kapelle Petra aus Hamm, eingeworben hat. Der Opa, F* Schmidt, Siepe und die Gazelle wünschen mir eine gute Zeit mittels des nachfolgenden Bildes. Da haben sich die Jungs richtig in Schale geschmissen und kurz vor einem Festivalauftritt mal eben ein paar Plakate gebastelt und schön gepost. Unglaublich. Vielen Dank liebe Kapelle und vor allem Heiner und Julia, ich war sehr gerührt. Sowas kann man sich aus Draht nicht nachbiegen!


Mindestens eine Person kennt (fast) jeder. Wer ist es? Gewinnspiel (ohne Gewinne). Schreibt mir!



Beim letzten Update habe ich vergessen, ein Video einzubinden. Michael macht gerade so etwas wie Zivildienst in Salta. Dort habe ich ihn auch getroffen und dabei erwischt, wie er ein Stück von einer meiner Lieblingsbands spielte. Wenn es Metallica oder U2 gewesen wären, wäre das sicher nicht überraschend gewesen, es war aber im Vergleich eine eher kleine Band und deshalb umso überraschender:



Blogger.com, der Hoster meines Blogs, bietet mir ein paar interessante Fakten über die Herkunftsdomains der Blog-Besucher. So kann ich zum Beispiel sehen, mit welchem Suchbegriff bei der Google-Bildersuche Leute auf meinen Blog stoßen. Da frage ich mich, was denken die Leute, die zum Beispiel nach "was kommt in ein Fürhungszeugnis" suchen und auf meiner Seite landen. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich die Frage mit Sicherheit behandelt. Lieber Unbekannter, ich hoffe, du bist noch fündig geworden!

Hier der erste Teil der Liste, ein zweiter folgt sicher noch:

- maria's bar glatt
- darm
- schönsten hostel in mittel
- september 2010 klimadiagramm
- joggerin
- austauschstudentin
- was kommt in ein führungszeugnis


Leona und Fernando in Heiners Residencia

Artur, ich und Jose (der leider leider schon wieder zuhause in Medellin/Kolumbien ist)